• Union Yacht Club

    Stammverein (UYCStv)
  • Vereinssitz

    Wien, Alte Donau
  • Gründung

    21. April 1886
  • Website

    www.uyc-stammverein.at

Als Quellen für diesen Abschnitt wurde die Festschrift “75 Jahre Union Yacht Club (1961)” sowie die Festschrift “100 Jahre Union Yacht Club (1986)” verwendet. 

Aus der Festschrift “75 Jahre Union Yacht Club (1961)”: Union Yacht-Club Stammverein


Ausschuss 1961/1962


  • Obmann: Dipl.-Ing. H. Imendörffer
  • Stellvertreter: Dr. H. Lerch
  • Oberbootsmann: P. Mohilla
  • Kassier: Frau I. Fastenbauer
  • Schriftführer; Frau D. Sammern-Frankenegg
  • Hausverwalter: Dr. H. Steiner
  • Ohne Funktion: Doz. Dr. F. Dosch, H. D. Fiedler, R, Lang, Mag. F. Schmid-Siegel, Ch. Wöppermann-Schwidernoch
  • Eingetragene Yachten: 26
  • Mitglieder: 95/8/6

Aus der Festschrift “75 Jahre Union Yacht Club (1961)”: Union Yacht-Club Stammverein

Der 15. März 1886 kann nach den Aufzeichnungen, die im Archiv des Stammvereines noch vorhanden sind, als der eigentliche Geburtstag des Union Yacht-Clubs angesehen werden. Prof. Dr. Hugo Weidel als Vorsitzender der 1. Versammlung weist darauf hin, dass „die Fahrten auf dem Neusiedlersee unter den Teilnehmern den Wunsch erregten, die wilde Vereinigung der Segler zu einer juridischen Person zu gestalten, und wie sich dann Freunde des Segelns, welche diesen Sport auf anderen Wässern treiben, dem Wunsche angeschlossen haben, einen Yacht-Club zu bilden“.

Für das Komitee zur Bearbeitung der Statuten wurden die Herren Edward Drory, Prof. Dr. Gustav Lott und Baron C. v. Popp bestimmt.

Am 28. März 1886 fand die zweite Versammlung statt, in der die Statuten genehmigt und für die Gründungsversammlung der 21. April 1886 bestimmt wurde. Dieser Tag der konstituierenden Generalversammlung, der auf Grund der bereits am 12. April 1886 unter Zl. 5945 vom Ministerium des Inneren genehmigten Vereinssatzung stattfand, wird als Gründungstag gefeiert.

Nachdem der Vorstand des Stammvereines in den ersten 50 Jahren auch gleichzeitig den Vorstand bzw. den Zentral-Ausschuss des Union Yacht-Clubs, ergänzt durch Vertreter jedes Zweigvereines, bildete, können die Namen der seinerzeitigen Vorstandsmitglieder aus der Gesamtliste entnommen werden. Besonders muss aber hervorgehoben werden, dass Edward Drory, Direktor des Wiener Gaswerkes, als eigentlicher Gründer des UYC anzusehen ist. Er war es, der jenen Freundeskreis um sich scharte, der dann den Grundstock des neuen Vereines nach den Worten unseres seinerzeitigen langjährigen Obmannes, Sektionschef Dr. Hans Maurus, bildete. Das von E. Drory bereits 1879 gebaute Sommerhaus an der Alten Donau stellte er dem Club zur Verfügung. Als Drory nach Berlin übersiedelte, machte er er, ebenso wie seine geliebte Nirwana, dem UYC-Stv zum Geschenk. Die ersten Boote für den Neusiedlersee, der ursprünglich hauptsächlich das Segelwasser Drorys und dann des UYC-Stv war, konstruierte und baute Edward Drory im Gaswerk Erdberg. Aus seiner Schule sind auch die ersten Yachtbauer und Segelmacher (Komlosy, Jessernigg, Fink) hervorgegangen. Seine bekanntesten Yachten waren Triton (1878), Leonore (1885), Nirwana (1886) und Afraja (1888).

Durch die ungünstigen Wasserverhältnisse des Neusiedlersees in den Neunzigerjahren beschränkte sich ab nun das Segeln nur noch auf die Alte Donau. In den ersten zehn Jahren des Bestandes erhöhte sich der Mitgliederstand nur von 14 auf 26 aktive Mitglieder. Die Ursache lag vor allem in dem Fehlen einer geeigneten Verbindung der Stadt mit der Alten Donau. Erst ab 1889 gab es die Pferdebahn und ab 1889 die Straßenbahn.

1897 wurden als Clubboote zwei Alsterjollen, „Edward“ und „Marie“, angeschafft. Nach 1900 folgten „Muz“, ein Kielboot der Babyklasse und die Schwertboote „Helene“, „Häfritha“ und „Anntita“ sowie die Swallow „Leonie“. 1910 wurden zwei nationale Jollen aus Hamburg bezogen, die „Pussi“ und der „Brummer“. Dieser ist heute noch im Stand der Flotte des UYCA. Die Enge der Alten Donau, der stark wechselnde Wasserstand, führten dazu, dass sich viele Clubmitglieder, dem Beispiel Professors von Larisch folgend, ab 1909 Canoes bauen  ließen. 1911 waren es 11, 1913 17 und 1923 bereits 22. Die meisten Risse stammen von unseren Ehrenmitgliedern Direktor Ing. Rudolf Walker und Dipl.-Ing. Rudolf Schlenk. Leider gingen beinahe alle Boote in den Nachkriegstagen 1945 verloren. Diese Bootsklasse neben einigen 22ern genügte aber auf die Dauer nicht. So entstanden bald nach dem ersten Weltkrieg die 10-qm-Rennjollen. Auch hier wieder waren es Ing. Walker und Dipl.-Ing. Schlenk, die eine große Anzahl sehr erfolgreicher Boote entwarfen. Besonders muss um diese Zeit auch der Erweiterung der Clubanlagen gedacht werden. Dies ist vor allem ein Verdienst des damaligen Obmannes, Hofrat Dipl.-Ing. Carl Schlenk und des Ausschussmitgliedes Willy Riedl. 1927 verfügte der UYC-Stv über 47 Segelboote, 21 5-qm, 17 10-qm, 5 15-qm, 1 20-qm und 3 22-qm.

Vor 1900 waren es meist nur zwei Boote, die um Matchknöpfe segelten, späterhin fanden die Wettfahrten wegen der sehr verschiedenartigen Boote als Handicaps statt. Vor und nach dem ersten Weltkrieg fanden interne Canoeregatten statt, die aber dann, nach 1018, durch Wettfahrten im Frühjahr und im Herbst, besonders durch die Zusammenarbeit mit den anderen Wiener Segelvereinen zu einer regelmäßigen Einrichtung mit stattlichen Feldern wurde. 1920 erfolgte der Eintritt in den Deutschen Seglerverband. Das Rennsegeln nahm nun einen raschen Aufschwung. Hier: sei wieder unserer Mitglieder Dipl.-Ing. R. Schlenk, der mit seinem „Pan II“ den Donaupokal 1928 gegen starke deutsche Konkurrenz siegreich verteidigte und unseres damaligen Jungseglers Demir Assim Tourgoud Bey auf „Trix II“ gedacht. Ferner gelang es in den Jahren 1933 bis 1935 unserer  Mannschaft unter Führung von Mr. H. Lerch mit den junioren Rolf v. Halle und Hans Heinz Böcker die österreichische Jollenmeisterschaft in der 22-er-Rennklasse auf dem Wörthersee in drei aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen. Unser Ehrenmitglied DDr. Robert Johanny vertrat zu dieser Zeit die Farben des UYC an maßgebender Stelle im Deutschen Seglerverband. Seine Tätigkeit im Vorstand des UYC und als Herausgeber der Clubmitteilungen, aber auch als alter Regattasegler im In- und Ausland muss hier erwähnt werden. Unter der Leitung des damaligen Obmannles und Präsidenten des Gesamtclubs, Dr. Hans Maurus, entwickelte sich, unterstützt von Dr. Ernst v. Obermayer- Rechtsinn, Walter Klunzinger d. Ä., Dipl.-Ing. Viktor Thausing d. A., den Brüdern Dipl.-Ing. R. Schlenk und Dipl.-lng. F. Schlenk und dem Kassier Rudolf v. Halle ein ausgeglichenes Clubleben. Die Verbundenheit der einzelnen Zweigvereine kam dadurch zum Ausdruck, dass die meisten Mitglieder auch einem oder zwei anderen Zweigvereinen angehörten bzw. Gründungsmitglieder neuerer Zweigvereine waren. 1935 brachte die ersten Auswahlrennen auf der Alten Donau in der neuen Olympischen-Jollen-Klasse. Zwei Jollen „Nirwana“ und „Donau“, wurden als Clubboote angeschafft..

Beim Stammverein bildeten sich erst nach 1918 eigene Jugendabteilungen. Diese konnten aber infolge der besonderen Verhältnisse nicht so straff geordnet werden wie bei den anderen Zweigvereinen, da die Hauptsegelzeit im Frühjahr und Herbst in die Schulzeit der Jugend fallt. Jedoch sind aus der Reihe der Junioren eine Reihe bedeutender Segler hervorgegangen. Es zeigte sich, dass die Alte Donau trotz der Enge ein ganz hervorragendes Schulungsgewässer ist.

1938 ging im Stammverein der 1882 gegründete Wiener Segel- und Ruderklub auf. Eine Reihe von uns altbekannten Seglern wurden so Clubkameraden. Wir verfügten seither neben der Anlage des Clubhauses im Westen der Alten Donau über ein Starthaus am Ostufer, was für die Abhaltung von Wettfahrten sehr wertvoll ist. Durch die anschließende Überführung in den Yacht-Club von Deutschland veränderte sich in der Zusammensetzung der Mitglieder kaum etwas. Eine starke Jugendabteilung, die zum Teil auch während des Krieges segelte, ließ die Sportausübung nicht abreißen. Erst mit Kriegsende wurde unsere Clubhausanlage schwerst getroffen. Bombentreffer zerstörten das Clubwarthaus, beschädigten den Canoeschuppen und die Villa Miramare. Hier muss wieder unserem Mitglied Willy Riedl besonders gedankt werden, der zusammen mit Dipl Ing. V. Thausing d. I. und Rolf v. Halle, unter Mithilfe verschiedener jüngerer Mitglieder, rettete, was zu retten war. R. v. Halle erreichte den Wiederaufbau des Clubwarthauses und die Behebung der ärgsten Schäden. Beinahe alle Boote waren vernichtet oder gestohlen. Erst nach und nach entstand wieder eine kleine Flotte. Sie bestand vor allem aus Jollen der Piratklasse, die sich für die Alte Donau ganz ausgezeichnet eignen. Der Club verfügt derzeit über drei Piratjollen, „Donau“, „Drory“ und „Try“ (Geschenk der Witwe Dipl.-Ing. F. Schlenks) sowie über eine nationale Jolle, „Ivola“ , ein Geschenk unseres Mitgliedes Oskar W. Lechner, und ein Ruderboot. Der Gesamtstand beträgt einschließlich vier Canoes 26 Segelboote.

Der Stammverein, von dem viele Mitglieder mehreren anderen Vereinen des UYC angehören, vertrat, vielleicht aus Überlieferung, ganz besonders den Standpunkt, dass auch nach 1945 die alte Verbundenheit der einzelnen UYC wieder auf genommen werden soll. So insbesondere Dr. Hermann Lerch, der Mitglied des UYCA und UYCT ist, seinerzeit auch dem UYCN und dessen Eissegelabteilung angehörte, ferner Dipl.-Ing. V. Thausing d. J., der Obmann des UYCT ist, und schließlich Dipl.-Ing. H. Imendörffer, der auch dem UYCA angehört. Unser Ehrenmitglied, Baurat h. c. Dipl.-Ing. Rudi Schlenk konnte dann 1961 im 75. Jahr des Bestehens des UYC alle alten UYC im Rahmen des UYC-Traditionsverbandes einen.

In den letzten Jahren waren folgende Clubkameraden besonders erfolgreich: Dipl.-Kfm. Harald v. Musil, der sowohl in der Pirat-, später in der Starklasse meist bei auswärtigen Regatten sehr erfolgreich startete; Mag. Schmid-Siegel mit Christian Wöppermann, Walter Riedl und Christian Ludwig in der FD-Klasse, K. Turetzky und die Junioren Herwig Imendörffer, Pierre Oboschinzky , Harald Musil d. J. und Fritz Glatz in der Pirat-Klasse.