• Union Yacht Club

    Millstättersee (UYCMi)
  • Vereinssitz

    Seeboden, Millstättersee
  • Gründung

    4. September 1922
  • Website

Geschichte des UYC Millstättersee


Zehn Jahre Union Yacht Club am Millstädtersee

(von Mag.pharm. August Kutiak)

Es sind jetzt 30 Jahre her, dass Dr. August Kutiak aus Wien am Wörthersee eines der damals berühmtesten und schnellsten Boote, die 8m Segellänge ??? von Hans Tschernitz kaufte und als „Falke II“ an den Millstädtersee verpflanzte. Das Schiff war so berühmt und so schnell, dass nur frohe Weinlaune den Besitzerwechsel ermöglicht haben soll. Alle seine jungen Ersparnisse hat er für dieses Boot geopfert und hat es über 20 Jahre am Millstädtersee gefahren.

Es wird berichtet, dass er sogar seinen Nachmittagsschlaf an Bord gehalten hat und bei Flaute die Nacht als Insel für einen zähen “Königsrufer“ missbraucht haben soll. Abgesehen von dieser Liebe zu seinem Schiff steckte in dem Manne eine große Begeisterung für den Segelsport. „Falke II“ war schon sein drittes Segelboot und er sprach schon von Regatten zu einer Zeit als man noch wenig von der Binnenseglerei hielt. Die zahlreichen Segelbücher und die vielen Bände der „Yacht“ die ich vorgefunden habe, zeigen, dass in auch die theoretische Seite dieses Sportes interessierte.

Mit dem Stand an Segelbooten war es vor dem Krieg am Millstädtersee gar nicht so schlecht bestellt. Besonders bekannt war der alte Herr Springer, dessen bot „Cito“, eine Schwertflunder, 60 m² nicht Leinwand sondern sogar Seite trug und der sich dann dieses Boot gegen eine sehr luftige Einhandsketch, die nach amerikanischen Rissen unter eigener Bauleitung bei einem einheimischen Bootsbauer zurechtgezimmert wurde, eintauschte. Der alte, sehr sportliche Herr soll mit einem Stoßseufzer verkündet haben: ich habe Sido nicht mehr einhand fahren können. Bei einigen Mittagsschläfchen waren er und mit ihm „Cito“ du unsanft ins Wasser geleert worden.

Und sonst gab es Originale: „Mephisto“ des Herrn Szenes, ferner eine Rolle des Gastwirtes Papke aus Villach und „Ennoch“ waren tapfere Jollen. Namentlich die letztere hatte die Eigenschaft, nach hinten auszubrechen, wollte man sie zum Stagen bringen. Erst wenn man eine Weile reversiert hatte, konnte man mit back gehaltener Fock sie zum Stagen bewegen.

„Alberich“ war ein, wie wir Kinder sagten, „Wurstkübel“ und hatte gewaltig viel Blei. „Avanti“ der Söhne des Herrn Hofrat Marchet, mit Heimathafen Seeboden, hatte sogar einmal in der Höhe von der Dellach gekreuzt. „Elmira“ der Frau von Knipse soll einen eigenen Burschen geheuert haben, der, am Bug stehend, mit einem Fernglas das Killen der durch einen langen Bugsprit der Sicht des Steuermanns allzu weit entrückten Fock, beobachten musste. „Fly I“ des Herrn Ingenieur Lorbeer, sah ich nie anders als mit zitternden Segeln. Sonst eine schöne Schwertjolle und sogar sehr rasch und gut kreuzend, gereichte ihr dieses Flattern zur besonderen Zierde. „Paula“ des Herrn Musil kam erst an den See, als sie an der alten Donau als eines der ersten Segelboote schon ausgedient hatte. Ich glaube, niemanden übersehen zu haben, und habe hoffentlich niemanden zu gut wegkommen lassen.

Mit diesem gemischten Material an Boden brachte mein Vater einen ein Regattafeld zusammen, indem jeder eine Klasse für sich war, war. Ich weiß mich nicht zu erinnern, wie es ausgegangen ist, „Falke“ hat es nicht gewonnen, es war öde Flaute und ein „Großer“ hat ein bisschen etwas gebraucht, um in Schwung zu kommen

Dann kam bald der Krieg um sehr viele Villen und Boote wechselten ihr Besitzer, was übrig blieb war traurig beisammen durch die langen Jahre der Ruhe. Mein Vater gab den Segelsport nicht auf. „Falke“ wanderte an den Weißensee und an seine Stelle rückte eine 22 m² Jolle. Die später so berühmte „Lich“ ein Flautenrutscher und Mittelwindboot, wie man sie damals noch gar nicht kannte. „Magda“ des Herrn Dr. Heinrich Braza, Wien, war schon schwerfälliger, jedenfalls galt sie als die wetterfestere von beiden vom Wörthersee bezogenen Booten. Das Vorbild meines Vaters machte Schule. Herr Franz Barasch ließ bei Feinig einen 22er bauen („Fly II“), Herr Christoph Rodler folgte mit einem Drewitz 22er der Wörtherseewerft („Senta“).

Im Herbst 1922 wurde der Segelclub als Zweigwerken des Union-Yacht-Clubs gegründet. Als Gründer zeichneten sich bei der ersten Vollversammlung am 30. August 1922: Exzellenz Bürgermeister Prznborski, Hofrat Professor Julius Marchet, Dr. Arthur Marchet, Hermann Marchet, Christoph Rodler, Ladislaus von Orendi-Czann, Dr. V. Lunz, Ingenieur Pummer, Franz Barasch, Rudolf Knips.

Mein Vater war erster Obmann und Oberbootsmann und schrieb für den Sommer 1923 die ersten Regatten aus. Sie waren in jeder Hinsicht ein Erfolg. Wenn wir auch keine Boote vom Wörthersee herüberbekamen, so interessierte man sich damals schon für den Millstädtersee und Herr Dr. Ingenieur von Merkel und Herr Dr. Robert Johanny kamen „sich die Sache mal besehen“.

So viele Preisstiftungen, wie in diesem Jahre, haben wir von privater Seite später leider nie wieder bekommen. Erstmalig erfolgten Preisstiftungen von: Frau Sonja Knips, Herrn Robert Klinger Freiherr von Klingersdorf, Christoph Rodler, Robert Salcher, Silvio Verdion von Valfivella, Otto Winds und vom OUYC Zweigverein Wörthersee. Herr von Orendi stiftete den Claudia-Pokal, den unsere „Lich“ erstmalig gewann.

Heute zeigen schon weitere, zum Teil auch offizielle Kreise, für unseren Sport am Millstättersee Interesse, wie daraus hervorgeht, dass das Bundesministerium für Handel und Verkehr, die Kärntner Fremdenverkehrskommission, die Kurkommissionen von Millstatt und Seeboden, zum Teil mehrmals Preise stifteten.

Die auf diese ersten Regatten folgende Preisverteilung und das Festbankett war für mich als kleinen Jungen ein einmaliges, leider auch letztmaliges Ereignis. Mein Vater hielt eine groß angelegte Ansprache, der Bürgermeister war erschienen und der ganze gesellschaftliche Rahmen ließ einen raschen Aufschwung des am Millstädtersee neu eingeführten Sportes erhoffen. Wie ein Vermächtnis ist uns allen die Festrede meines Vaters in Erinnerung geblieben, denn schon am folgenden Tag warf ihn eine tückische Infektionskrankheit auf das Krankenbett, von dem er nicht mehr aufstehen sollte.

Der Club hielt in den nächsten Jahren zwar Regatten ab, doch hatten wir keinerlei Neubauten zu verzeichnen. Erst im Jahre 1928 wurde von Herrn Volpini de Masetri und mir die Anregung zu solchen gegeben, als wir zwei neue 20 qm Boote nach Rissen von Lehmann bei der Wörtherseewerft bauen ließen. („Lilo I“ und „Falke III“). Die Herren Musil-Wollenbruck folgten noch im selben Jahr mit einem Lehmann 20er „Mermaid II“. Diese Neubauten waren der Anlass zu einem weiteren Aufstieg unseres Clubs. Im Sommer 1928 blieben wir zwar noch unter uns und „Mermaid II“ des Herrn Musil wurde Anwärterin auf den Preis der Kurkommission Millstatt, im nächsten Jahr wurde es „Falke III“. Damals startete erstmals ein Gast vom Wörthersee, Herr Hans Tschernitz mit seinem berühmten „Rih I“, der zahlreiche Preise an den Wörthersee entführte. Auch in den weiteren Jahren blieb uns Herr Tschernitz als Gast treu. Das Feld der heimischen 20er wurde durch „Toni III“ der Feinigwerft (Arthur und Viktor Lunz) und „Greif“, einem nach Martensrissen bei Winds gebauten Boot (Hans Höfer-Heim halt) vermehrt. „Greif“ war in den letzten zwei Jahren außerordentlich erfolgreich und konnte unseren Club auch am Starnberger See und am Wörthersee mehrmals siegreich vertreten. Die auswärtigen Beteiligung erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt, als im Sommer 1931 in der 20er Klasse „Rih I“, „Rih II“, „Oha IV“ und „Danebrog“ gegen einen unserer heimischen Boote sehr interessante Rennen lieferten. Im letzten Jahre konnte der Millstättersee leider nur „Sturmvogel“ vom Traunsee als Gast begrüßen.

Sommer 1930 stellten sich in der 22er Klasse die zwei heimischen Boote „Senta“ (Professor Marchet), „Fly II“ und vom Wörthersee „Fanfu II“ (Apotheker Gunzer) den Startern. „Fanfu“„blieb in diesem wie auch im nächsten Jahr siegreich, doch es gab es vor allem bei schwereren Wind interessante Kämpfe mit „Senta“.

In der seit einigen Jahren bei uns eingeführten Langfahrt um den ganzen See, hatten auch die Einzelgänger-der 15er. „Hans-Heinz“ (Heinz Höfer) unter 5er „Spuckerl“ (Paul Kyle) - Gelegenheit, die Ausdauer ihrer Mannschaft zu beweisen.

In diesem Sommer wird sich das Bild des Regattafeldes wesentlich verschoben haben, da zum Teil wirtschaftliche Forderungen rechnung tragend, mehrere Neubauten in der Einheitsszeneklasse erfolgten, welche Klasse bei uns erstmalig ein schönes Regattafeld stellen wird. Einheitszehner: „Granatian“ (Heinz Höfer), „Elf“ (Viktor Lunz), „Lilo II“ (Anton Volpini), „Falke IV“ (August Kutiak).

Nach dem bisher Gesagten sieht man, dass wir in den letzten Jahren sehr wohl imstande waren, schöne, geschlossene Regattafelder in einigen Rennklassen zustande zu bringen und haben die Millstätterseewochen immer schönen Sport geboten, trotzdem der junge Club unter den denkbar ungünstigsten Voraussetzungen arbeiten musste. Es wäre daher sehr zu begrüßen, wenn man der von allen Obmännern seit dem Gründer verfolgten Plan zur Erbauung eines eigenen Club- und Bootshauses unter der tatkräftigen Führung unseres jetzigen Obmannes Herbert Direktor Höfer endlich Wirklichkeit wird, damit ein zentrales Heim für die Segler und ihr hochwertiges Bootsmaterial geschaffen werde.

Quelle: 10 Jahre Union Yacht-Club Millstättersee